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XING oder LinkedIn – Wo entsteht der Nutzen dieser Business-Plattformen in der Franchise-Zentrale?

Die Diskussion über den Einsatz der Web-2.0-Technologien ist in der Franchise-Wirtschaft im vollen Gang: Progressive Meinungsbildner diskutieren über Twitter, Xing und andere Kanäle zur internen und externen Kommunikation oder Präsentation. Konservative Systemführer bezweifeln den Nutzen dieser Medien insgesamt und organisieren ihre Kommunikationskanäle entlang klassischer Einsatzfelder. Was bringen Business-Plattformen Franchise-Systemen also wirklich? Und welche Anforderungen stellen sie an ihren Nutzer?

Vorteile bei der Partnerakquisition

Zunächst ist im Bereich der Internet-Communities eine Eingrenzung notwendig. Es gibt hunderte von relevanten Communities - nur eine sehr begrenzte Anzahl ist jedoch für Franchise-Systeme direkt sinnvoll. Auf der einen Seite gibt es themenbezogene Communities. Sie präsentieren für jeden Interessierten eine Fülle von Informationen, die oft von den Lesern selbst zur Verfügung gestellt werden. Hier ergeben sich eventuell für Franchise-Systeme in ihren jeweiligen Themenfeldern (Geschäftsbereichen) Nutzungsmöglichkeiten, auf die an dieser Stelle nur der Vollständigkeit halber hingewiesen wird.

Weit verbreitet sind sogenannte soziale Netzwerke, zu den Bekanntesten gehören Facebook, StudiVZ, u.v.a. Diese Plattformen haben in der Regel viele Millionen Nutzer, die überwiegend persönliche Informationen untereinander austauschen bzw. veröffentlichen. Hier ergeben sich für Franchise-Systeme vor allem im Bereich der Hintergrundrecherche zu Personen (Interessenten, Mitarbeiter) Möglichkeiten zur Nutzung. Es sind mittlerweile eine Reihe von Fällen dokumentiert, wo sich Interessenten zunächst als aussichtsreiche Kandidaten in einem System vorgestellt hatten und dann später in den entsprechenden Communities Informationen recherchiert wurden, die zum Ausschluss des Kandidaten geführt haben.

Relevanter für Franchise-Systeme sind die sogenannten Business-Plattformen, von denen lediglich XING (ehemals "OpenBC") und LinkedIn eine entsprechende Verbreitung in Deutschland haben. Diese Plattformen sind bereits heute für eine Vielzahl von Franchise-Systemen ein wichtiger Bestandteil zur Information, Kommunikation und Zusammenarbeit. Dabei entsteht regelmäßig ein direkt messbarer geldwerter Vorteil, z. B. im Bereich der Partnerakquisition: Sowohl die geringeren Prozessdurchlaufzeiten bei der Kandidatenauswahl als auch die oft eingesparten Vermittlungsprovisionen motivieren Franchise-Manager, intensiv die Möglichkeiten von XING bzw. LinkedIn für ihre eigene Expansion zu nutzen.

Xing oder LinkedIn: Entscheidende Unterschiede

Welche der beiden Plattformen ist nun geeigneter für das eigene System? Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst die entscheidenden Unterschiede der beiden Plattformen berücksichtigen (die vielen Gemeinsamkeiten sollen hier nicht näher diskutiert werden):

XING ist in Deutschland gemessen an den deutschen aktiven Nutzern der Marktführer und vereint zurzeit die größere Anzahl an Menschen, die für ihre jeweilige berufliche Entwicklung eine Online-Plattform nutzen. Diese Aussage lässt einen wesentlichen Unterschied zu LinkedIn erkennen. Nur in Deutschland, Österreich und der Türkei ist die Plattform XING als Marktführer tätig, in allen anderen europäischen Ländern ist die Plattform LinkedIn führend. Wenn also ein Franchise-System z. B. in der Schweiz, Holland oder Frankreich Partner sucht, ist LinkedIn die aktivere Plattform.

Ein weiterer Unterschied ergibt sich aus der Vernetzungstechnik der beiden Plattformen: In XING ist die Vernetzung mit völlig unbekannten Personen, die XING-Mitglied sind, sehr unkompliziert möglich und wird von XING auch aktiv gefördert. Die Konsequenz für Franchise-Systeme: Sie können jederzeit eine Vielzahl von (neuen) XING-Mitgliedern auf ihr System aufmerksam machen und den aktiven Kontakt suchen. Sobald das neue Mitglied z. B. in seinen Kontaktdaten das Stichwort „Suche neue Herausforderung" anzeigt, können Sie als Systemgeber aktiv werden und Ihr System vorstellen.

Dies ist in LinkedIn so einfach nicht möglich. LinkedIn ist sehr viel restriktiver im Umgang mit der Möglichkeit zur Ansprache von unbekannten Personen. Sie ist schlicht nicht gewünscht und wird nur in Form einer sogenannten „InMail" (frei übersetzt: „Selbsteinladungs-Mail") limitiert zur Verfügung gestellt. Dieser Ansatz schützt die aktiven Mitglieder davor, von einer Vielzahl von „Kontaktjägern" belästigt zu werden. Der Schlüssel zur Vernetzung in LinkedIn ist die persönliche Empfehlung. Es ist ausdrücklich gewünscht, dass eine Person über Dritte vorgestellt wird und somit eine höhere „Beziehungsqualität" erhält, denn die Empfehlung wird in LinkedIn als Filter angesehen.

Bewertungsforum für Unternehmen

Dieser Ansatz ist auch bei einem anderen Teil des Geschäftsmodells von LinkedIn ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal: In allen Bereichen ist es vorgesehen, dass der eigene Kontakt, die eigenen Daten bzw. die eigene Information innerhalb von LinkedIn durch andere bewertet wird. Das lässt sich am besten mit der Rezension von Büchern durch Leser in der Online-Buchhandelsplattform Amazon vergleichen. So können im Bereich der „Fragen und Antworten" von LinkedIn von Fragenden die Antworten bewertet werden (z. B. „Beste Antwort auf die Frage"); diese Bewertung taucht dann wieder bei dem Antwortgeber in seinem Profil auf. So entsteht im Laufe der Zeit bei LinkedIn ein Gesamtbild von unterschiedlichsten Bewertungen zu einem Profil. Und wer zehnmal in einem bestimmten Wissensbereich als „Bester Antworter" genannt ist, gilt logischerweise als qualifizierter als jemand mit keiner Bewertung. Diese Bewertung gilt dann natürlich auch für den Bereich der dargestellten Unternehmen selbst. In den USA ist es völlig selbstverständlich, positive oder auch negative Kritik an Unternehmen in diesen Communities zu veröffentlichen.

Diese „Drittbewertungsfähigkeit" von LinkedIn hat ebenfalls zu einem völlig unterschiedlichen Gebührenmodell gegenüber XING geführt: Beide Systeme sind nach eigenen Aussagen wirtschaftlich erfolgreich. Während bei XING die Einnahmen insbesondere aus der Vermarktung der sogenannten Premium-Mitgliedschaft entstehen (und daher ohne Premium-Mitgliedschaft XING für Business-Nutzer nur sehr eingeschränkt nutzbar ist), erhält LinkedIn seine Einnahmen vor allem aus dem Einsatz als Recruiting- und Marktforschungs-Tool für internationale Personal- und Marktforschungs-Agenturen. Daher ist in der kostenlosen LinkedIn-Basismitgliedschaft eine Fülle von Anwendungsmöglichkeiten integriert, die den Abschluss von Premium-Mitgliedschaften eigentlich für den Normalnutzer überflüssig macht.

In den beiden Plattformen sind auch die aktiven deutschen und internationalen Franchise-Systeme unterschiedlich repräsentiert: In XING ist die weltweit größte Einzelcommunity präsent („Franchise Business Club" mit ca. 10.000 Mitgliedern), die Anzahl unterschiedlicher Franchise-Gruppen in XING ist aber sehr gering (< 10 Gruppen). In LinkedIn existieren ca. 350 Franchise-Gruppen, von denen die größten Gruppen aber nur ca. 2.500 Member haben und sich auch nur eine Gruppe explizit mit dem deutschen Markt beschäftigt („Franchise in Germany").

Kontinuierlich kommunizieren

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für das deutsche Franchise-System: Wer nur national auf der Suche nach Interessenten, Mitarbeitern oder Investoren ist, dem steht mit XING als Marktführer eine konzentrierte Community zur Verfügung, in der er sich zu überschaubarem Kostenaufwand bewegen kann. Wer international als Franchise-Geber aktiv ist, Masterlizenzen ins Ausland vergeben oder internationale Investoren ansprechen möchte, ist mit der Präsentation in LinkedIn (in der kostenfreien Basismitgliedschaft) optimal aufgestellt. Für beide Plattformen gilt allerdings: Nur wer regelmäßig Zeit zur Kommunikation und Präsentation in diesen Netzwerken aufwendet, erhält den entsprechenden Gegenwert. Dieser kann aber dann umso höher ausfallen (z. B. durch eingesparte Vermittlungsprovisionen für Franchise-Partner-Gewinnung).

Wer sich mit diesem Thema intensiver beschäftigen möchte, kann erste Informationen auf den jeweiligen Startseiten der Plattformen bekommen (www.xing.de bzw. www.linkedin.com), der Autor steht unter m.dehe@dehe-consulting.de für Nachfragen gerne zur Verfügung.

Weitere Informationen unter Systemzentralen aufbauen.

Mathias Dehe

Ihr Spezialist für den Auf- und Ausbau von System-zentralen 
Mathias Dehe